Mein persönliches Wissensmanagement
Manchmal habe ich eine tolle Idee, die ich mir merken möchte. Ich denke: Dieser Einfall ist ja so genial, der wird sich für immer in mein Gedächtnis brennen wie damals Reservoir Dogs in den CD-Rohling. Dieser «geniale Einfall» ist zwanzig Minuten später natürlich weg. Vergessen, ausgelöscht, für immer verloren. Ich muss mir einfach alles sofort notieren, wirklich jeden Gedanken, jeden mittelmäßigen Einfall, jede Hirnflatulenz. Ich weiß das, aber überschätze mein Gedächtnis trotzdem regelmäßig.
Für einen Artikel habe ich mich nun mit dem «Personal Knowledge Management» (PKM) befasst. Es geht darum, sich ein individuelles System zu schaffen, um Wissen nachhaltig zu sammeln und zu ordnen. Den Text gibt es bei heise online, jedoch hinter der Bezahlschranke:
Immerhin habe ich seit einigen Jahren Simplenote auf dem Handy installiert, die Notiz-App von Automattic. Leider bin ich aber weiterhin nicht so gut darin, auf dem Smartphone zu schreiben. Lieber notiere ich mit der Hand, zücke also meinen Montblanc-Füller und schreibe leicht angetrunken meine fantastischen Einfälle ins Gucci-Notizbuch1, während im Hintergrund der Kamin knistert. Da sitze ich also im Kaminzimmer2 und bin: völlig ideenlos. Denn die besten Einfälle kommen niemals vor dem Kamin, sondern in allen anderen Momenten. In der Bahn, im Wald, während eines öden Meetings. Weil Füller und Luxusnotizbuch dann aber am anderen Ende der Welt liegen, muss ich doch wieder das Handy nutzen (oder mir merken, was ich gedacht habe).
- Das gibt es wirklich und kostet 195 Euro. Bei dem Preis würde das Notizbuch eher als Statussymbol auf meinem Tisch ruhen und niemals eine Idee aufnehmen!
- Ich log: Ich habe weder Kamin noch Gucci-Notizbuch. Und Füller kann ich nicht leiden, ich schreibe stets mit einem Bic- oder Ohto-Kuli.
Konsistenz und Disziplin
Ein weiteres Problem: Ich notiere Informationen an zu vielen Stellen: auf Zetteln, in mehreren Notizbüchern, in Notion, in einer langen Textdatei und an tausend anderen Orten. Das ist fatal fürs Wiederfinden. Auf der Suche nach der verlorenen Idee verschwende ich wiederum viel Zeit. Eine Untersuchung von Atlassian zeigte, dass die Informationssuche ein Viertel der Arbeitszeit von deutschen Büroangestellten frisst.
Da sitze ich im Kaminzimmer und bin: völlig ideenlos
Ich muss mich also daran gewöhnen, wirklich jede Idee und Information in einer bestimmten App abzulegen; und wirklich immer dort. Hier sind Konsistenz und Disziplin gefragt – zum Glück sind das meine absoluten Lieblingstugenden! Ich müsste meine hingekritzelten Notizzettel regelmäßig abfotografieren, um sie gebündelt abzulegen. Dafür eignet sich Notion (das ich derzeit verwende); aber Anytype und Obsidian wären die besseren Alternativen, allein aus Datenschutzgründen.
Fürs reine Notieren eignet sich zudem Logseq gut, ein Tool, auf das ich erst jetzt gestoßen bin. Jeden Tag legt die App eine neue Seite samt Datum an. Dort kann man in Stichpunkten alles aufschreiben, was so durchs Hirn ballert. Logseq ist Open-Source und speichert alles lokal ab (oder in Dropbox, iCloud etc.). Mein neuer Workflow wäre: Ich notiere fleißig in Logseq und übertrage ggf. in Anytype oder Obsidian. So könnte es gehen. Oder ganz anders. Mal schauen.
Kommentieren
Daniel Berger ist Tech-Journalist in Hannover. Er schreibt Artikel über das Internet, außerdem bloggt er über Technik, Politik und das Schreiben. Mehr