Laute Rache im Ruheabteil
Glosse. Es gibt Leute, die regen sich über «lärmende Kinder» im Ruheabteil des Fernzugs auf. Frechheit, dass die heilige Stille auf solch unflätige Weise gestört wird. Ich habe allerdings keinerlei Mitleid, im Gegenteil: Ich sinne auf Rache! Ich werde lärmend mit meinem Sohn ins Ruheabteil krachen, laut herumbrüllen und singen und lachen, sodass jeder lächerliche Businesskasper aufschreckt. Ich werde sodann meine Tröte auspacken und den ganzen Waggon taub blasen – und mein Sohn soll aus voller Kehle kreischen! Er soll durch den Waggon pesen, auf und ab, auf und ab. Alle sollen sie genervt sein von meinem Sohn und mir, wie wir Angst und Schrecken im Ruheabteil verbreiten. Ich werde diabolisch lachen und meine süße Rache genießen.
Oje, warum aber? Das werde ich Ihnen sagen: weil meine Frau und ich regelmäßig Männer aus dem Familienbereich und dem Kleinkindabteil verscheuchen mussten. Alleinreisende Kerle (ohne Kinder), die dennoch im Familienabteil herumsaßen, Bier tranken (sic) und die leeren Bierdosen liegen ließen. Die sich nur auf Nachfrage verscheuchen ließen. Murrend. Genervt. Stöhnend ob der Schmerzen im gekrümmten Kreuz. Jedes Mal, wenn ich diese abscheulichen Schussel verscheuchen muss, hoffe ich auf blutige baldige Rache, die ich im Ruheabteil ausleben werde. Ihr werdet schon sehen. Und es hören.
Feedback und Gebrüll
Als Online-Redakteur bekomme ich zu meinen Artikeln schnell Feedback von den Lesern: Sie schreiben ihre Meinung ins heise-Forum. Das ist manchmal konstruktiv, manchmal erhellend und auch inspirierend. Doch es gibt immer wieder einen Kerl, der sich unnötig aufregen muss. Die Tirade beginnt gewöhnlich mit dem Hinweis, den Artikel zwar nicht gelesen zu haben, aber bestimmt stellt er alles falsch dar und generell ist das Thema unsäglich blöd – und so weiter.
Regelmäßig juckt es mir in den Fingern und ich tippe eine Antwort. Die muss ich dann wieder löschen, ebenso die zweite und dritte Fassung. Lieber nicht, denke ich, und lasse es bleiben. Wenn ich aber doch einmal auf «Abschicken» drücke und meine Erwiderung online erscheint, herrscht eigentlich Frieden. Die Kritiker werden zahm – oder sie drehen erst richtig auf, aber dann bin ich längst weitergezogen. Keine Zeit mehr, ich muss weg, so viel zu tun.
Praktikant! Spielkind! Geisteswissenschaftler!
Früher war das heise-Forum leider ein Moloch. Ein offener Raum zwar, der aber von Frustrierten missbraucht worden ist. Wilder Westen. Unangenehmes Biotop. Als c't-Jungredakteur mied ich es damals, ins Forum zu schauen – und auch heute lese ich nur sporadisch, was die Leute da schreiben. (Keine Zeit etc.) Die Trolle fanden natürlich toll, dass sie im Forum kaum zensiert worden sind. Ich fand es oft genug unerträglich. Ich wurde beleidigt, als «Praktikant» beschimpft, als «Spielkind», als «Geisteswissenschaftler» (sic!) und noch mehr. Als Ausgleich bekam ich immerhin E-Mails von Menschen, die sich mit ihren Anmerkungen mehr Mühe gaben; die wirklich etwas zu sagen hatten. Denn klar: Vernünftiges Feedback ist fantastisch, es ist einer der wichtigsten Gründe, überhaupt zu schreiben.
Websites für ChatGPT optimieren
Nach SEO kommt GEO1: Das Kürzel beschreibt die Optimierung von Websites für KI-Chatbots wie ChatGPT, Perplexity und andere. Die Inhalte aus dem Web sollen auch in den Antworten der KI-Systeme vorkommen. Im Idealfall verlinken die Bots die zitierten Inhalte, was Traffic bringen kann. Allerdings sorgen die Chatbots eben auch für einen deutlichen Rückgang an Klicks. Wenn ChatGPT die Frage vom Nutzer vollständig beantwortet, braucht er sich keine Websites mehr durchzulesen. Somit profitieren ChatGPT, Google & Co. von den vielen Inhalten im Web – und die Seitenbetreiber haben am Ende gar nichts davon.
Sollte man deshalb die KI-Bots alle blockieren, sodass sie die Inhalte einer Seite nicht mehr lesen können? Auch um diese Frage dreht sich mein Hintergrundartikel auf heise online: So optimieren Betreiber ihre Websites für ChatGPT & Co.
Zeiten ändern sich, ebenso das Web und die Suche. Zunächst beantwortete Google selbst die Fragen der Nutzer und schickte sie immer seltener zu irgendwelchen Websites. Dann kamen auch noch ChatGPT, Gemini & Co.: Sie liefern keine Link-Listen, sondern ausformulierte Antworten. Immerhin verlinken die KIs ihre Quellen und machen Websites damit etwas sichtbarer. Doch wie müssen Inhalte aussehen, damit sie nicht nur bei Google ranken, sondern auch in KI-Antworten vorkommen?
Allzu kompliziert sind die nötigen Optimierungen nicht, hier zählen Fleiß und Disziplin. Allerdings sind die Chatbots intransparente «Black Boxes», die im Prinzip machen, was sie wollen. GEO wird sich also rasant anpassen und weiterentwickeln.
- «Generative Engine Optimization» beschreibt die Optimierung von Inhalten für generative Such- und Antwortsysteme. Gemeint sind damit Dienste wie ChatGPT, Perplexity, Gemini, Google «AI Overviews», Copilot und andere KI-Systeme, die aus mehreren Quellen eine Antwort in natürlicher Sprache formulieren. Geläufig sind auch die Abkürzungen LLMO für «Large Language Model Optimization» und AEO für «Answer Engine Optimization».
Leben in Textdateien
Jedes Jahr lege ich eine neue Textdatei an: Geistesblitze.txt, ergänzt um die aktuelle Jahreszahl. Darin sammle ich, was mir so durch den Kopf poltert. Seit 2020 mache ich das, es existieren also sechs lange Textdateien voller (guter und übler) Ideen. Auch für anstehende Aufgaben nutze ich die Datei, außerdem als eine Art Tagebuch bzw. Arbeitsjournal. Mit der Suchfunktion von Sublime Text finde ich, was ich suche. Stellenweise und da setze ich auch Tags ein.
Sicherlich ist mein «System» eher rudimentär – es gibt ausgefeiltere, etwa die «Plaintext Productivity». Auf seiner Website erklärt Michael Descy, wie er sein Leben und Arbeit in Textdateien und Ordnern organisiert. Genial! Ich habe daraus sogleich einen Artikel für heise online gebastelt:
Entdeckt habe ich die «Klartext-Produktivität» übrigens in Ligne Claire, dem Blog von Dirk Hesse. Danke für die Inspiration, ich werde meine eigene Textdatei nun etwas überarbeiten, denn die Ideen der Plaintext Productivity sind echt schlau.
Testfahrt mit dem Canyon Citelite:On
Mit dem E-Bike durch die City düsen – durch den Stadtwald und übers Feld: Mit dem Citylite:On von Canyon klappt das hervorragend. Es ersetzt jetzt mein altes VanMoof S2.