Feedback und Gebrüll

Als Online-Redakteur bekomme ich zu meinen Artikeln schnell Feedback von den Lesern: Sie schreiben ihre Meinung ins heise-Forum. Das ist manchmal konstruktiv, manchmal erhellend und auch inspirierend. Doch es gibt immer wieder einen Kerl, der sich unnötig aufregen muss. Die Tirade beginnt gewöhnlich mit dem Hinweis, den Artikel zwar nicht gelesen zu haben, aber bestimmt stellt er alles falsch dar und generell ist das Thema unsäglich blöd – und so weiter.

Regelmäßig juckt es mir in den Fingern und ich tippe eine Antwort. Die muss ich dann wieder löschen, ebenso die zweite und dritte Fassung. Lieber nicht, denke ich, und lasse es bleiben. Wenn ich aber doch einmal auf «Abschicken» drücke und meine Erwiderung online erscheint, herrscht eigentlich Frieden. Die Kritiker werden zahm – oder sie drehen erst richtig auf, aber dann bin ich längst weitergezogen. Keine Zeit mehr, ich muss weg, so viel zu tun.

Praktikant! Spielkind! Geisteswissenschaftler!

Früher war das heise-Forum leider ein Moloch. Ein offener Raum zwar, der aber von Frustrierten missbraucht worden ist. Wilder Westen. Unangenehmes Biotop. Als c't-Jungredakteur mied ich es damals, ins Forum zu schauen – und auch heute lese ich nur sporadisch, was die Leute da schreiben. (Keine Zeit etc.) Die Trolle fanden natürlich toll, dass sie im Forum kaum zensiert worden sind. Ich fand es oft genug unerträglich. Ich wurde beleidigt, als «Praktikant» beschimpft, als «Spielkind», als «Geisteswissenschaftler» (sic!) und noch mehr. Als Ausgleich bekam ich immerhin E-Mails von Menschen, die sich mit ihren Anmerkungen mehr Mühe gaben; die wirklich etwas zu sagen hatten. Denn klar: Vernünftiges Feedback ist fantastisch, es ist einer der wichtigsten Gründe, überhaupt zu schreiben.

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Daniel Berger ist Tech-Journalist in Hannover. Er schreibt Artikel über das Internet, außerdem bloggt er über Technik, Politik und das Schreiben. Mehr