2022: Ein persönlicher Jahresrückblick
Am 31. Dezember 2021 noch schnell einen Espresso geschlürft, zack, schon begann das neue Jahr. Zwanzig-zweiundzwanzig: guter Sound, sieht auch ausgeschrieben schön aus. Jetzt ist wieder der 31. Dezember, jetzt ist erneut ein Jahr geschafft. Was vor einem Jahr war: keine Ahnung. Ich schaue in meine Smartphone-Fotos, Google weiß alles. Da ist etwa ein Screenshot von einer Umfrage, die ich am 11. Januar auf Twitter durchgeführt habe. Was für ein neues Hobby könnte ich beginnen? Die meisten meinten, ich solle mir ein Rennrad kaufen (33 Prozent); 22 Prozent waren für die E-Gitarre. Genau die habe ich mir später gekauft, Ende Januar kam sie an. Macht Spaß, ist aber schwer. Mein Hirn kribbelt immer, wenn ich mir merken will, welche Griffe aufeinanderfolgen. Aber das tut gut und das Geschrammel klingt … immer besser. Fünf, sechs Jahre dauert das wohl noch, dann spiel ich Nothing Else Matters rauf und runter. Oder zehn Jahre, elf. Mit ’nem Rennrad wär ich schneller am Ziel gewesen.
Pandemie-Blues
Im März sind wir in Hildesheim: hübsche Stadt! Abends gehen wir essen, sitzen beim Vietnamesen. Wohl fühlen wir uns aber nicht, denn wir sitzen mit sehr vielen Menschen in einem engen Raum. Das gab’s lange nicht mehr. Und natürlich trägt keiner Maske, weil wir alle mampfen und trinken und sabbeln. Schon komisch, obwohl es das nicht sein sollte. Aber es geht gut, wir werden nicht krank1. Das passiert erst im Sommer: Zuerst erwischt es meine Frau, dann mich. Das also ist Covid-19. Der Verlauf ist einigermaßen mild, wir danken den drei Impfungen. Seltsam wird’s aber, als wir beide unseren Geruchssinn verlieren und alles nach nichts riecht. Es regnet – und da ist kein Regengeruch. Ich stecke meine Nase tief in die frisch gemahlenen Kaffeebohnen: nichts, nichts, nichts. Glücklicherweise kehrt der Geruchssinn nach einer Weile wieder vollständig zurück. Der Geruch nach einem Regen, der Geruch von feuchter Erde – herrlich.
- Weg war die «Angst» vor Covid, als wir Ende April nach Paris flogen. Das erste Mal ging ich ohne Maske in einen Supermarkt. Es war ein gutes Gefühl, muss ich zugeben. War vielleicht fahrlässig, aber es tat gut nach all den komischen Monaten. (Anfang April noch haben wir bei Patrick Salmen gesessen, mit Maske, weil uns die Sache nicht ganz geheuer war.)
Sommer, brennende Hitze. Am 20. Juli 2022 sind’s 40 fucking Grad C. Ich kaufe den besten Ventilator der Welt, so ein Ding von Xiaomi. Ein akkubetriebener Lebensretter. Wir sitzen abends auf dem Balkon und trinken Wodka-Brombeere von meinem Vater aus Kristallgläsern von meiner Oma. Oder wir trinken nachmittags Weißwein auf der Lister Meile, im Weinladen. Oder wir essen Eis Eis Baby. Oder wir liegen am Mittellandkanal und schauen Kindern dabei zu, wie sie von der Brücke springen. Drei Freunde stehen da oben, der eine springt nach langer Überlegung, dann der zweite. Der dritte Junge bleibt stehen, es wird über eine Stunde dauern, bis auch er sich traut. Dann kommt ein Sommergewitter und es regnet kurz. Abends grillen wir spontan mit den Nachbarn im Gemeinschaftsgarten. Bommel (s.u.) ist da, er bellt und fiept und flitzt. Der Nachbar von oben gafft neidisch von seinem Balkon herab. Keiner denkt an die Dunkelheit und Kälte.
Umgezogen
Aus irgendeinem Grund schauen wir nach einer neuen Wohnung. Eher zufällig, aus einem Gespräch heraus. Nötig ist ein Umzug eigentlich nicht, denke ich da noch. Aber es wäre schon schön, ein paar mehr Steckdosen und Zimmer zu haben. (Und ich möchte nicht den Nachbarn beim Kacken zuhören – TMI.) Jedenfalls schauen wir uns einige Wohnungen an, schöne Wohnungen, teure Wohnungen – schweineteure Wohnungen. Zwischendurch sind wir in Düsseldorf, dort feiern meine Frau und ich meinen Geburtstag. Bald bin ich 40, fällt mir auf. Aber erst bald. Ein paar Jahre sind es noch.
Ende August besichtigen wir dann eine wunderbare Wohnung in der Südstadt von Hannover. Und wir bekommen tatsächlich eine Zusage. Wir ziehen aus, um und ein. Wir verabschieden uns vom Gemeinschaftsgarten, von unseren tollen Nachbarn und den zwei putzigen Häschen. Wir sagen auch Ciao zur Winkelspinne, die jahrelang in unserer Holzbank auf dem Balkon lebte und uns wahrscheinlich ermorden wollte, weil Spinnen solche Ideen haben.
Jahresrückblicke
In diesem Jahr werden plötzlich alle schwanger, überall Babys und Kleinkinder! Freunde werden zu Familien, überall liegen Beißringe und quietschende Plüschtiere herum. Meine Frau und ich passen erst mal auf einen Chihuahua auf, der ist ja auch wie ein Kind. Ein haariges Kind, das unter dem Tisch sitzen muss. Ein Kind, das ständig gegen Bäume pullert und kläfft. Bommel heißt der Hund, den wir uns mehrmals leihen dürfen. Ich habe viele gute Hundenamen parat – und auch viele gute Namen für Mädchen. Dass es nun so ist, dass meine Frau und ich bald einen menschlichen Jungen bekommen werden – das konnte ja keiner ahnen. Muss er etwa Bommel heißen?
Es gibt leider nur drei, vier Jungennamen, die gut klingen. Den besten sagen wir oft laut, und er klingt immer noch ausgezeichnet. Mein Opa freut sich, dass sein Nachname nicht aussterben wird. Noch haben wir ein paar Monate ganz für uns allein und wir können machen, was wir wollen. Zum Beispiel drei Folgen Severance hintereinander schauen. Na und? Nächstes Jahr wird definitiv anders werden: 2023 wird besonders, 2023 wird einzigartig werden.
E-Books mit Apple Pages erzeugen
Mit dem Schreibprogramm Apple Pages kann man ganz leicht E-Books erzeugen und bei Apple Books veröffentlichen. Genau das habe ich getan und darüber einen Artikel geschrieben – den gibt's bei heise+ zu lesen.
Als Beispiel habe ich meinen Athen-Text1 genommen, den ich zuvor überarbeitet hatte. Ab sofort gibt es die Hässliche Schönheit also auch als kostenloses E-Book zu lesen. Geld kann ich keines dafür verlangen, weil ich dann Steuerformulare hätte ausfüllen und in die USA schicken müssen. Und wenn ich vor einem Angst habe, dann sind es Steuerformulare!
- Mehr dazu steht in diesem Beitrag. Ich habe übrigens auch die Webseite etwas verschönert, sie ist ein wenig farbenfroher geworden.
Normalerweise schreibe ich meine Texte mit Ulysses und Sublime, denn Word kann ich nicht ausstehen. Pages aber ist gar nicht übel, zumindest ging das Formatieren mit den Absatzstilen sehr einfach. Das Tool erzeugt auch EPUB-Dateien, die man sich neuerdings via Mail einfach auf den Kindle schicken kann. Praktisch!
Ein Fotobuch mit Affinity Publisher gestalten
Es ist schon wieder eine ganze Weile her, dass ich gemeinsam mit meiner Frau durch Athen streunte. Zwei Wochen lang lernten wir die Stadt kennen und tranken in dieser Zeit viel Kaffee, zum Beispiel im Underdog (bester Flat White der Welt). Außerdem schoss ich viele Fotos – zu viele Fotos, wie in jedem verdammten Urlaub. Jedenfalls nahm ich mir vor, ein Fotobuch zu gestalten und darin auch meinen Reisetext über Athen unterzubringen. Daraus wurde bisher aber nichts, weil ich viele andere Dinge tat und irgendwann das Athen-Fotobuch vergaß.
Nun habe ich aber für heise+ einen Ratgeber geschrieben, der erklärt, wie man schicke Fotobücher mit Affinity Publisher baut:
Wer ein Fotobuch mit Affinity Publisher layoutet, genießt maximale Gestaltungsfreiheit
Der Text ist jetzt online, leider dürfen ihn nur zahlende Abonnenten lesen. Durch den Artikel habe ich wieder große Lust bekommen, das Projekt doch noch abzuschließen. Drucken lasse ich das Werk dann bei Blurb, weil mir deren Mohawk-Papier so gut gefällt.
Wer sich für Affinity Publisher interessiert, findet hier zudem einen anderen Artikel von mir, in dem es um die Buchgestaltung geht. Denn das hatte ich auch mal vor: Ein Buch zu setzen und es bei BoD drucken zu lassen. (Nur für mich.) Fragen Sie mich jetzt aber nicht, ob ich das auch getan habe. Immerhin habe ich es geschafft, eine schmale Broschüre zu gestalten – wieder mit Publisher – und drucken zu lassen. Das Ergebnis gefällt mir gut, wie ich in diesem Beitrag zugab.
- Update, 2. Dezember 2025: Affinity Publisher ist inzwischen kostenlos und heißt nur noch Affinity. Die neue App vereint Publisher, Affinity Photo und Affinity Designer. Diesen Umstand habe ich zum Anlass genommen, um für heise online einen neuen Artikel (€) zu schreiben. Darin beschreibe ich, wie man ein schickes Fotobuch mit Affinity gestaltet.
2021: Jahresrückblick anhand meiner Amazon-Bestellungen
Im Jahr 2021 habe ich insgesamt 18 Bestellungen bei Amazon getätigt. Genug für einen Jahresrückblick, der auf meinem Kaufverhalten basiert. Das Jahr beginnt mit Pflanzendünger, den ich am 22. Januar bei Amazon bestellte. Zuvor erfuhr ich, dass man Grünpflanzen nicht nur düngen könnte, sondern auch sollte. Meine Monstera1 hatte damit begonnen, einige Blätter abzuwerfen, sie wurden erst gelb und dann braun. Jahrelang wuchs die Pflanze vor sich hin und bekam regelmäßig neue Blätter, eins nach dem anderen, immer saftig-grün. Zwischendurch habe ich sie umgetopft und sie wurde noch größer. Dann kamen plötzlich die gelben Blätter und ich war etwas verwirrt: Was will sie, was braucht sie? Vielleicht Pflanzendünger! (Ein paarmal habe ich die Pflanzen gedüngt, ehe der Dünger in der Kammer verschwand. Dort stand er bis vorhin, als mir beim Betrachten meiner Amazon-Historie wieder einfiel, dass man Pflanzen regelmäßig düngen sollte.)
- Monsteras (siehe Wikipedia) sind seit einigen Jahren Trendpflanzen, die jeder Hipster bei sich in der Altbaumwohnung stehen haben sollte. Bei mir ist es so, dass ich eher kein Hipster bin, aber zwei Dinge seit Ewigkeiten gerne betrachte: Monstera-Blätter und ältere Cavalier-King-Charles-Spaniel. Die (seltsame) Vorliebe für diese Pflanze und diese Hunde muss tief in meiner Kindheit verwurzelt sein, vielleicht ergibt sich irgendwann mal ein Gespräch mit einem Psychologen, der mir weiterhelfen kann.
Am 10. März habe ich mir eine neue Kamera bestellt: die X-T3 von Fujifilm. Es macht zwar viel Spaß, mit ihr zu fotografieren, aber sie fällt irgendwie mehr auf als andere Kameras – ständig schauen mich Menschen an, wenn ich irgendwas fotografiere! Die Leute schauen, als würde ich auf offener Straße einen Hund belästigen, dabei mache ich doch nur meine harmlosen Fotos. Da war zum Beispiel ein Kioskbesitzer, der aus seinem Kiosk stürmte und mich wüst beschimpfte. Wahrscheinlich dachte er, dass ich seinen dämlichen Kiosk fotografiert hatte – und es stimmt, ich fotografiere nur Kioske und tapeziere mit den Bildern meine heimlich gemietete Zweiwohnung. Dort habe ich im Wohnzimmer einen ganzen Kiosk eingerichtet, weil ich vernarrt bin in Kioske. (Usw., usf.) Nein, mir sind Kioske völlig egal. Der Mann regte sich jedenfalls tierisch auf und ich ging schnell weg, bevor er Fantadosen nach mir werfen würden. Jedenfalls würde ich die X-T3 vielleicht nicht noch mal kaufen, sondern eine kleinere Kamera, die nicht weiter auffällt, womöglich die X100V. Aber warum gähnen Sie denn?!
For The First Time
Am 12. März bestellte ich das Album «For The First Time» von Black Country, New Road auf CD. Ich mag das Album sehr. Leider hat mein CD-Player die Angewohnheit, Songs nicht immer vollständig abzuspielen. Der Laser scheint hängen zu bleiben, was weiß ich, das Gerät hat seinen Job noch nie ordentlich erledigt. Ich habe es sogar einmal umgetauscht, vor allem, weil der CD-Halter (aus Plastik) schräg war, leicht schräg, aber schon sichtbar schräg. Der Saturn-Mitarbeiter fand das zwar übertrieben, aber er hat mir trotzdem einen neuen Karton samt CD-Player gegeben, der nicht immer alles abspielt, was auf den CDs enthalten ist. (Als zwischendurch auch unser Sonos-System Songs übersprang, war das kein leichtes Leben mehr.)
Am 16. Mai 2021 bestellte ich das Buch «The Anthropocene Reviewed»2 von John Green, dessen Podcast wie das Buch heißt und den ich gerne höre. Als ich selbstständig war und meine Mittagspausen gerne auch mal zwei Stunden dauerte, habe ich zahlreiche Podcasts entdeckt und gehört: Zeit Verbrechen, klar, Gemischtes Hack, klar, und auch S-Town, 99 Percent Invisible, Twenty Thousand Hertz, Freakonomics Radio, Wind of Change und viele mehr. Das bestellte Buch ließ dann lange auf sich warten.
- Bücher kaufe ich meistens im Buchladen um die Ecke (oder bei «Kafka» in Detmold). Bei Amazon bestelle ich hin und wieder englische Bücher, weil die preislich unschlagbar sind, und manchmal bin ich halt ein Sparfuchs, der gerne 5 Euro spart. Selten kaufe ich E-Books für meinen Kindle, zum Beispiel Dan-Brown-Romane für den Urlaub, die will ich nicht auf Papier haben.
Niemand hat ihn getötet
Am 26. Mai bestellte ich den Krimi «Ich habe ihn getötet» von Keigo Higashino. Ich lese gerne Bücher von japanischen Autorinnen und Autoren, seit ich verspätet Haruki Murakami für mich entdeckte. (Das schrieb ich auch schon in meinem Jahresrückblick 2020.) Von Keigo H. habe ich alles gelesen und mindestens gemocht, aber das Buch hier habe ich eigentlich gehasst, denn der Autor verrät am Ende nicht den Mörder, die Mörderin! Das sollen die Leser selbst machen. Ich müsste das Buch also abermals lesen und die Hinweise erkennen und schließlich kombinieren, wer den Dings ermordet hat. Dafür habe keine Zeit, darauf habe ich keine Lust. (Ich lese nur selten Bücher ein weiteres Mal. Am meisten – nämlich viermal – habe ich «Plattform» von Michel Houellebecq gelesen.)
Am Strand
Am 29. Juni bestellte ich eine Strandmuschel. Wir fuhren dann nämlich nach Rügen und saßen dort an diversen Stränden. Die Muschel gab uns Schutz und Geborgenheit. Sie ist nicht unbedingt schön, aber auch nicht so abstrus hässlich wie die anderen Strandmuscheln, die dort an den Stränden zu betrachten waren. Praktisch ist das aufblasbare Kissen, das ich ebenfalls bestellte: Mit wenigen Atemzügen war es prall genug, um meinen schweren Kopf zu halten. Da lag ich also und starrte entweder in den blauen Himmel oder in die blaue Strandmuschel. Zwischendurch richtete ich mich auf und betrachtete nackte Menschen, die dort überall herumlümmelten. Urlaub in Deutschland ist schön und gut, dachte ich, aber es ist weiterhin nicht das Wahre. Geradezu erleichtert war ich, als wir im Spätsommer doch noch in ein Flugzeug stiegen und eine wunderbare Zeit in Barcelona3 verbrachten. Ohne Strandmuschel.
- In Barcelona habe ich den besten Jazz-Plattenladen der Welt entdeckt: «Jazz Messengers» in Eixample. Dort kaufte ich mir die Jubiläumsausgabe von «Giant Steps» (John Coltrane). Die Verkäuferin war äußerst sympathisch und freundlich und bewandert. Dass ich eigentlich erst wenig Ahnung von Jazz habe, konnte ich gut verbergen, indem ich den Laden mehrfach und überschwänglich lobte. Er hat es aber auch verdient! Allein seinetwegen muss ich schnell zurück nach BCN.
Am 6. Dezember machte ich mir quasi selbst ein Nikolausgeschenk und bestellte das neue Mastodon-Album, es heißt «Hushed and Grim». Diesmal nicht als CD, sondern als Vinyl. Mein Plattenspieler ist derzeit nicht am Verstärker angeschlossen, denn seit wir einen neuen Fernseher haben, ist auf dem Lowboard nicht mehr genügend Platz für den Plattenspieler. Jahrelang schauten wir Filme und das «Dschungelcamp» auf einem 32-Zoll-Fernseher (sic!), das glaubte uns niemand und viele Besucher standen in unserem Wohnzimmer und lachten uns geradezu aus. «Damit schaut ihr Filme?!», riefen sie und riefen sogleich Freunde und Verwandte an, um ihnen von dieser Ungeheuerlichkeit zu erzählen. «Hör mal zu, da sind zwei, die schauen Titanic auf einem 32-Zoll-Fernseher!» No more! Diese Zeiten sind vorbei, denn im Sommer fuhren wir in den hiesigen Saturn und ließen uns beraten4. Alsbald stand er da, ein TV der Marke SONY. 55 Zoll, OLED, wunderbar. Nur dass der Plattenspieler jetzt nicht mehr neben den Bildschirm passt.
- Es ist (natürlich) so, dass ich mich leicht obsessiv in das Thema TV-Kauf einlas und einarbeitete und gerade davor vor war, völlig durchzudrehen, als wir spontan bei Saturn die aktuellen Fernsehgeräte betrachteten. Ein Fachverkäufer löste sich aus den Kulissen und gestand unaufgefordert seine Liebe zu SONY-Geräten. Er selbst habe sogar seine Ehe aufgegeben, um nun allein mit einem 55-Zoll-TV der genannten Marke glücklich zu werden. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, betonte er mehrfach. Wir beglückwünschten den Mann und taten so, als müssten wir uns das mit dem TV noch mal genau überlegen und verließen den Saturn fluchtartig. Am Folgetag erstanden wir den Fernseher bei Media Markt.
Am 21. Dezember lag «The Anthropocene Reviewed» plötzlich doch noch im Briefkasten. Am 16. Mai bestellt, im Dezember angekommen. Immerhin hat sich das Warten gelohnt, das Buch ist sehr gut: Ich vergebe 4,5 Sterne. Am 23. Dezember habe ich bei Amazon spontan ein Last-Minute-Geschenk bestellt, das tatsächlich am Vormittag des folgenden Tages im Briefkasten lag. Das war dann die kürzeste Wartezeit in diesem Jahr.
Textgenuss und Schnaps: Meine erste Lesung
In Hannover gibt es die Lesebühne, die «Schnaps und Textgenuss» verspricht. Autorinnen und Autoren dürfen dort ihre Geschichten vorlesen – Kurzgeschichten, Auszüge aus Romanen, Gedichte oder eine ganz andere Gattung. Spontan reichte ich am Tag der Deadline einige meiner Storys ein, die ich für den Young Storyteller Award geschrieben hatte. Und tatsächlich durfte ich am 10. Oktober auf der Bühne sitzen und meine Werke in fremde Ohren säuseln. Es war das erste Mal, dass ich der Öffentlichkeit etwas vorgelesen habe!
Es war dann auch etwas seltsam, als ich zu Hause das Vorlesen geübt habe. Ich saß auf dem Sofa und erzählte den Wänden und Möbeln (und Nachbarn) ein paar Geschichten. Nach zwei, drei Storys habe ich mich fast dran gewöhnt und am Abend selbst hat es mir sogar Spaß gemacht.
Gelesen haben außer mir noch Angela Regius, Ronja Lobner und Burkhard Wetekam, der mich auf das Autor:innenzentrum Hannover aufmerksam machte, dem ich dann auch beitrat. Jedenfalls sind die Lesungen allesamt in der Soundcloud zu hören; mein Teil befindet sich hier.
Die Lesebühne ist Mitglied im Netzwerk Unabhängige Lesereihen. Besonderen Wert legt der Verein auf eine große Vielfalt von Locations: Vorgelesen wird in Kneipen, Cafés, im Theater. An jenem Abend, als ich auf der Bühne saß und las, waren wir im Fiasko in Linden-Nord zu Gast. Und es gab tatsächlich Schnaps.