Textgenuss und Schnaps: Meine erste Lesung

In Hannover gibt es die Lesebühne, die «Schnaps und Textgenuss» verspricht. Autorinnen und Autoren dürfen dort ihre Geschichten vorlesen – Kurzgeschichten, Auszüge aus Romanen, Gedichte oder eine ganz andere Gattung. Spontan reichte ich am Tag der Deadline einige meiner Storys ein, die ich für den Young Storyteller Award geschrieben hatte. Und tatsächlich durfte ich am 10. Oktober auf der Bühne sitzen und meine Werke in fremde Ohren säuseln. Es war das erste Mal, dass ich der Öffentlichkeit etwas vorgelesen habe!

Es war dann auch etwas seltsam, als ich zu Hause das Vorlesen geübt habe. Ich saß auf dem Sofa und erzählte den Wänden und Möbeln (und Nachbarn) ein paar Geschichten. Nach zwei, drei Storys habe ich mich fast dran gewöhnt und am Abend selbst hat es mir sogar Spaß gemacht.

Gelesen haben außer mir noch Angela Regius, Ronja Lobner und Burkhard Wetekam, der mich auf das Autor:innenzentrum Hannover aufmerksam machte, dem ich dann auch beitrat. Jedenfalls sind die Lesungen allesamt in der Soundcloud zu hören; mein Teil befindet sich hier.

Ich durfte auf der «Lesebühne» sitzen und vorlesen: Kurzgeschichten über einen verliebten Bankräuber; über Nachmittage mit Sim City 2000; über einen Hellseher, der den Tod prophezeit. – Foto von Lamin Njie

Die Lesebühne ist Mitglied im Netzwerk Unabhängige Lesereihen. Besonderen Wert legt der Verein auf eine große Vielfalt von Locations: Vorgelesen wird in Kneipen, Cafés, im Theater. An jenem Abend, als ich auf der Bühne saß und las, waren wir im Fiasko in Linden-Nord zu Gast. Und es gab tatsächlich Schnaps.

2020: Ein persönlicher Jahresrückblick

Im Januar war alles noch normal. Wir saßen weit hinten im Aegi-Theater, vorne scherzte Felix Lobrecht1 und wir lachten Tränen. Hype-Tour, ausverkauft, viele junge Leute wuselten umher; ich fühlte mich ein wenig alt. Zwei Wochen später steht das Publikum, weil es keine Bestuhlung gibt. Seltsam. Patrick Salmen darf sitzen, vorn auf der Bühne, während er vorliest und erzählt. Wie eine Party, nur dass niemand tanzt. Aber wir trinken und ich stoße versehentlich meinen Becher um. Deshalb stehe ich den Rest des Abends in einer Pfütze und hoffe, dass mir niemand Inkontinenz unterstellt. Bis dahin also ein normales Jahr.

  1. Hype und Kenn ick gibt es inzwischen bei Netflix. Ich empfehle außerdem Tropical von Hazel Brugger. (Darf man eigentlich Louis C.K. wieder lustig finden? Too soon?)

Hiergeblieben!

Dann die ersten News aus China. Sie zimmern in kurzer Zeit ein Krankenhaus zusammen, das steht dann da. Verrückt, kaum zu glauben. Eine mysteriöse Lungenkrankheit greift um sich. Pandemie, COVID-19, Thema des Jahres. Plötzlich ist es normal, mit Maske durch den Aldi zu stolpern. Zugfahren mit Maske ist normal, ebenso Flanieren mit Maske und Urlaub mit Maske. Wir wären dieses Jahr gern nach Italien gereist, doch das ging nicht. Stattdessen Dangast im Norden. Wir wären gern nach Peru gereist, doch das ging nicht. Stattdessen Tegernsee im Süden. Auch schön, aber eben anders. Es ist komisch, wenn man alles versteht und mit jedem normal reden kann. Kein wortsuchendes Stottern, kein «Donde está la, ääh, biblioteca?» Es ist auch komisch, dass Deutsche immer etwas, nun ja, anstrengend sind. Selbst im Urlaub. Sind wir – meine Frau und ich – eigentlich auch so?2

  1. Seit ich eine praktische Regenjacke von Jack Wolfskin besitze, frage ich mich täglich: Bin ich jetzt auch ein öder Spießer? Eine Kartoffel? Ich rede mir dann ein: nee. Denn ich habe keine Brille, die von selbst zur Sonnenbrille wird, und ich habe auch keine lange Hose, die via Reißverschluss zu einer kurzen wird. Aber Moment mal, ist das da etwa ein Deuter-Rucksack auf meinem Rücken?!

Richtig arbeiten

Während Deutschland das Home-Office entdeckte, änderte sich für mich in dieser Hinsicht nichts. Als selbstständiger Schreiber schrieb ich weiterhin von zu Hause. Ich habe die Zeit vor allem genutzt, um an meinen literarischen Texten zu arbeiten. Geld zahlt mir noch niemand dafür, aber es ist unheimlich beglückend, Texte reifen zu sehen. Aus einer flüchtigen Idee wird ein brauchbarer Entwurf, wird eine runde Geschichte mit gutem Ende. Nur: Wer veröffentlicht eigentlich Kurzgeschichten? Und wer liest die? («Niemand, du Lappen!», mault der pessimistische Hausgeist, der über meinem Kopf schwebt. «Geh lieber richtig arbeiten!»)

Die Sonne geht unter – und das Jahr endet. 2020, du warst echt seltsam.

Mein Hauptprojekt ist eine Langgeschichte, ein Roman, der in den vergangenen Monaten ordentlich zugelegt hat. Manchmal glaube ich, dass er gut genug für den harten Buchmarkt ist – regelmäßig überkommen mich jedoch auch Zweifel. Das muss wohl so sein. Für 2021 habe ich mir jedenfalls vorgenommen, mich endlich an Literaturagenturen zu wenden und meinen Roman zu pitchen. Aufregendes Gefühl, fast schon Euphorie. Doch da ist auch eine latente Furcht, dass niemand meine Sätze lesen will.

Ich habe 2019 meine Festanstellung gekündigt, weil ich mehr schreiben wollte, keine Fachartikel, keine Meldungen, sondern Belletristik. Das habe ich 2020 getan und das war wunderbar. Andererseits vermisse ich (natürlich) gewisse Dinge: Kollegen, Teamwork, Rückhalt und auch ein festes Einkommen. Hätte ich in diesem seltsamen Jahr vor der Entscheidung gestanden, meinen Job zu kündigen – ich hätte es wohl nicht getan. Oder doch. Wer weiß?

Lesen und Hören

Wer schreibt, muss viel lesen. In diesem Jahr waren das vor allem Bücher von japanischen Autorinnen und Autoren: Verdächtige Geliebte, Heilige Mörderin und Unter der Mitternachtssonne von Keigo Higashino. Außerdem Die Ladenhüterin von Sayaka Murata, 50 von Hideo Yokoyama sowie Kafka am Strand von Haruki Murakami, den ich erst 2017 für mich entdeckt habe. (Momentan lese ich die Neuübersetzung vom Aufziehvogel.) Beeindruckt hat mich Im Keller von Jan Philipp Reemtsma. Der Publizist und Mäzen verarbeitet darin seine Entführung im Jahr 1996.

Gehört habe ich viele Podcasts: Zeit Verbrechen (Folge 17 befasst sich mit der Reemtsma-Entführung), Wind of Change, S-Town (großartig!), Rabbit Hole und weitere. Außerdem hörte ich viel Jazz, die alten Klassiker, vor allem John Coltrane. Bester Mann, leider viel zu früh gestorben. Neulich las ich die tolle Biographie von Peter Kemper, die kann ich auch wärmstens empfehlen. Bin dann zurück in den Buchladen (sic) gegangen, um Giant Steps auf CD (sic) zu erwerben, aber die war mir dann zu teuer. End of story.

Wer kauft denn 2020 noch CDs? Ich. Meistens höre ich zwar Musik über eine einsame Sonos-Box im Wohnzimmer, manchmal aber eben auch über die kraftvolle Stereo-Anlage ebendort3. Der Sound ist um Welten besser! (Duh.) Die Anlage hat jedoch keine Verbindung zum WWW, also muss ich wie ein Hurensohn CDs einlegen. Also: Sie erst einmal suchen, dann den Player überreden, dass er sie bitte, bitte auch annimmt. Nölig lehnt er CDs gern ab, weigert sich, sie zu spielen. Als wäre der CD-Player ein totaler Schlager-Fan und würde nur Helene F. spielen wollen. Auch die Sonos-Lautsprecher sind gern mal zickig und verweigern sich ihrer Bestimmung. Wie auch der drahtlose Drucker, der seit unserem Umzug vergangenes Jahr nicht mehr auf Anhieb druckt. Und wenn der gnädige Kasten doch mal druckt, druckt er erst mal nur wirre Zeichen auf tausend Seiten, als wäre er vom Teufel besessen.

  1. Die anderen Boxen stehen im Esszimmer und in der Küche. Insgesamt beschallen drei Sonos One unsere Mietwohnung, deren Wände aus verklebten Pappen bestehen. Deswegen ist Action-Kino auch nicht dri, denn der Bass bollert bis in die fünfte Etage. (Liebe Grüße an Martina!)

Stadtleben

Apropos Umzug: Seit genau einem Jahr leben wir in einem anderen Stadtteil (für Kenner: in der List in Hannover). Zuvor wohnten wir in der Südstadt (für Kenner: nicht weit vom Maschsee entfernt). Den Umzug hat ein Umzugsunternehmen4 erledigt, das war schon erstaunlich. Die drei Männer haben in vier Stunden alles in den Lkw geschoben und ein paar Kilometer entfernt wieder ausgeräumt. Ratzfatz ging das, genial. Nie wieder werde ich auch nur einen Umzugskarton (voller Kissen) selbst schleppen!

  1. Etwaige Nachteile: Die Gardinenstange haben die Männer hektisch und einigermaßen schlampig an die Wand gedübelt – sie kam uns einige Monate später krachend entgegen. Außerdem haben die Männer den Turm aus Umzugskartons zu hoch gestapelt – Gott wurde wütend und zerstörte den Turm. Der Plattenspieler fiel vom Gipfel hinab und brach sich ein Bein. Usw.

Der neue Stadtteil ist lebhafter als der alte: Mehr Leute, die sabbeln, und viel mehr Kinder, die kreischend auf Bäume klettern oder Bälle gegen Metallzäune bolzen. Dann sind da noch die Autos, die Baustellen, die Laubbläser und die komischen Nachbarn, die sich lautstark und stundenlang anbrüllen. Manchmal fantasiere ich mich in eine einsame Hütte im Wald; tief im Wald, abgeschieden vom Rest der Welt. Da hocke ich und – tja, was dann eigentlich? Gibt es da Internet? Und was will das Wildschwein von mir? Ach so, es will Bahn-Tickets ausdrucken. Sorry, aber der Drucker möchte heute nicht. […] Will sagen: Je älter ich werde, desto mehr mag ich Stille. Das ist aber ganz normal, glaube ich. Vielleicht gönne ich mir 2021 ja Kopfhörer mit ANC. Und einen neuen Drucker.

Laufen und latschen

Ein neuer Stadtteil bedeutet auch: neue Jogging-Strecken! Vorher hatte ich den Maschsee in der Nähe (6 Kilometer Umfang – perfekte Jogging-Runde), jetzt laufe ich meistens einen langen Kanal entlang. Der ist ziemlich langweilig. Ich überquere dann irgendeine Brücke und laufe auf der anderen Kanalseite wieder zurück. Na ja. Sportlich habe ich mir außerdem das Ziel gesetzt, jeden Tag 10.000 Schritte zurückzulegen. (Ich überwache das mit der Google-Fit-App, die natürlich nicht mitzählt, wenn ich in der Wohnung vor Wildschweinen weglaufe.) Es ist gar nicht so leicht, täglich auf 10.000 Schritte zu kommen, oft liege ich knapp darunter. Mein Rekord für 2020 liegt bei immerhin 28.544 Schritten an einem Tag – da war ich in Berlin jewesen, wah! Monatlich lande ich bei durchschnittlich 250.000 Schritten. Außerdem finde ich, dass das Laufen […]. Oh, die Zeit ist leider um, also Schluss jetzt, wer soll das denn alles lesen? Das Jahr geht jedenfalls vorbei und ein neues beginnt. Wird spannend!

Ach, da war ja noch etwas: Im Oktober 2020 habe ich geheiratet, trotz Corona. Bester Tag! Foto: Filipp Romanovskij

Ein Booklet bei BoD drucken lassen

Vor genau zehn Jahren war ich in Istanbul, machte dort Fotos und notierte Notizen. Zurück am heimischen Schreibtisch tippte ich einen Text über das, was ich erlebt und gegessen1 hatte. Jahre vergingen und schwups, war plötzlich ein ganzes Jahrzehnt vorüber. Nun kam mir die Idee, den überarbeiteten Text zusammen mit meinen Lieblingsfotos als Booklet drucken zu lassen. Entstanden ist Döner Dürüm, Burger King – ein kleines Heft mit sieben Fotos auf 24 Seiten.

  1. Der Text handelt viel vom Essen; genauer: vom schlechten Essen. Früher war mein kulinarischer Anspruch arg einfach. Heute darf es ruhig lecker und ausgefallen sein. (Zum Beispiel war ich in Istanbul bei Burger King, was wirklich nicht sein muss.)

Der Text als Objekt

Auf die Projektidee kam ich, als mir beim spontanen Umsortieren Marfa, TX von Gaëtan Rossier in die Hände fiel – ein auf zehn Exemplare limitiertes Foto-Booklet mit Bildern aus Texas. Mir gefiel das kompakte Format und die Idee, meinen eigenen Text als Artefakt in der Hand zu halten. Außerdem interessierte mich schon länger die Druckqualität von BoD, dem führenden Anbieter im Selfpublishing-Bereich.

Der hässliche Strichcode auf der Rückseite ist leider Pflicht – selbst wenn das Booklet nur für den Privatgebrauch gedacht ist.

BoD druckt nicht nur Bücher, sondern auch Booklets, also schmale Broschüren mit Klammerheftung und einem maximalen Umfang von 48 Seiten. Für meine 24 Seiten (6 davon in Farbe) bezahlte ich 8,75 Euro. Günstiger wird’s, wenn man mehrere Exemplare in Auftrag gibt. Hinzu kamen 2,94 Euro für Verpackung und Versand. BoD will den Innenteil als PDF-Dokument und das Cover als gesonderte Datei (ebenfalls als PDF). Gestaltet habe ich das Buch mit Affinity Publisher, das ging ratzfatz und hat mir viel Spaß gemacht.

Mein Lieblingsbild bekam den besten Platz im Booklet. Es entstand während einer Fahrt mit der Fähre.

Am 9. November 2020 habe ich das Buchprojekt auf bod.de angelegt, alle nötigen Dateien hochgeladen und freigegeben. Drei Tage später hatte BoD es dann «für den Druck aufbereitet» und am 19. November verschickt. Das Booklet war ordentlich verpackt und kam einwandfrei hier an. Leider wurde die letzte Seite nicht ordentlich beschnitten, sodass Reste von Buchstaben zu erkennen sind. (Oder handelt es sich dabei um eine Geheimbotschaft? Wird in der Druckerei ein Troll gefangen gehalten, der mit dieser Nachricht verzweifelt um Hilfe bittet?) Dann war da noch ein dummer Tippfehler, den ich aber selbst verschuldet habe. Ärgerlich.

Farbabstufungen auf dem Cover

Ich bin ein Risiko eingegangen und habe einen Farbverlauf auf dem Cover verwendet. Ist vielleicht nicht die allerbeste Idee – im Druck sind Farbabstufungen zu erkennen. Ansonsten geht die Qualität in Ordnung, vor allem ist das Papier stabil und recht glatt. Ich habe für das Laminat die Option «matt» gewählt; gefällt mir gut. Die Innenseite des Pappcovers (also Seite 2 und 23) ist immer weiß und nicht bedruckbar.

Mit der Druckqualität bin ich zufrieden, nur hätte ich doch kein weißes Papier nehmen sollen.

Eine Besonderheit bei BoD, die ein Nachteil sein kann: Der Dienst druckt auf Seite 6 immer das FSC-Siegel (oben in die Mitte). Diese Seite ist nämlich fürs Impressum vorgesehen – ein Umstand, der den Gestaltungsraum natürlich etwas einschränkt. Wer zum Beispiel ein Magazin gestalten will, wird sich daran eventuell stören. Zudem muss die Rückseite einen Strichcode enthalten. Das ist sinnvoll, wenn man das eigene Werk verkaufen möchte. Mein Booklet habe ich erst mal nur für mich drucken lassen.

Im Nachhinein hätte ich ein anderes Papier gewählt; es ist mir doch zu weiß. Klar, die Fotos sehen natürlich besser aus, weil cremefarbenes Papier kein neutraler Hintergrund ist. Mir aber egal, denn mir ist die Wirkung des Textes wichtiger. Und ich finde, ein Text sollte auf Chamois gedruckt sein. Davon abgesehen, hat mir das kleine Projekt viel Freude gemacht und ich bin positiv überrascht, dass die Fotos so aussehen, wie ich mir das vorgestellt habe. Die zweite Version des Booklets bekommt jetzt ein anderes Cover und ich mache die viel Fotos größer, seitenfüllend. To be continued.

Projekt: Athen-Website

Vor genau einem Jahr reisten meine Verlobte und ich nach Athen. Wir blieben zwei Wochen und erkundeten die griechische Hauptstadt in langen Streifzügen. Es war herrlich und manchmal nervig. Ich notierte viel und fotografierte, um später einen Reisetext zu schreiben. Der ist erst jetzt fertig geworden – und lang ist er geworden, ich war wohl in Schreiblaune.

Jedenfalls überlegte ich mir, wie ich den Text samt Bildern im Netz präsentieren könnte. Andere Reisegeschichten habe ich einfach in mein Content-Management-System geworfen und schnell veröffentlicht, zum Beispiel: The City Is Extremely Hot über New York City. Der Athen-Text aber hat eine eigene Webseite verdient, fand ich, und baute die geschwind.

Entstanden ist ein langer Onepager aus sauberem HTML-Code. Ich nutze CSS-Variablen, Grids und die neue Lazyload-Funktion, die im Chrome-Browser eingebaut ist. Die Fotos laden also erst dann, wenn sie sich dem Auge des Betrachters nähern. Für die Bilder habe ich außerdem PhotoSwipe eingebunden, ein kleines JavaScript-Ding, über das ich vor einer ganzen Weile einen Artikel geschrieben habe. Ich nutze weder Adobe Fonts noch Google Fonts, sondern hoste die Schriftarten selbst. Wie das geht, habe ich für heise online aufgeschrieben (€).

Das Schreibprogramm behauptet, dass ein fiktiver Durchschnittsleser mindestens eine halbe Stunde für die Lektüre des Athen-Textes benötigt. Deshalb glaube ich, dass nur wenige Leute die komplette Geschichte lesen werden. Ein langer Reisetext widerspricht einfach den typischen Lesegewohnheiten im Netz: Leser springen von Headline zu Headline, lesen gelegentlich mal ein, zwei Zeilen und scrollen dann schon wieder weiter. Ein echter Lesegenuss ist das nicht, weil dann wieder eine neue Mail eintrudelt oder eine Push-Nachricht den Flow stört – usw., usf.1

  1. Ich selbst sammle fleißig viele Online-Artikel, Reportagen, Essays, die ich später – irgendwann – lesen möchte. Eine Weile habe ich mir lange Texte auf den Kindle geschickt und damit gelesen. Eigentlich eine schlaue Idee, finde ich, aber in letzter Zeit habe ich den E-Book-Reader ein wenig vernachlässigt und vergessen.

Print lebt!

Auf Papier hingegen können Texte so lang sein, wie sie wollen, selbst 1500 Seiten (z.B.: DFW, Unendlicher Spaß). Das analoge Lesen macht am meisten Spaß, ist ein haptisches Vergnügen, manchmal auch ein olfaktorisches. Vielleicht gestalte ich – irgendwann – mit Affinity Publisher noch ein kleines Booklet, eine Art Athen-Magazin, lasse das tausendfach drucken und werfe es aus einem Flugzeug über der Stadt ab! Oder verkaufe es in einem Bauchladen. […]

Wie dem auch sei: Ungeduldigen Athen-Interessierten möchte ich den Abschnitt über die Akropolis empfehlen, das ist mein Lieblingsteil. Es spielt nämlich eine rauchende Schildkröte mit. (Ansonsten freue ich mich natürlich, wenn Sie sich doch etwas Zeit nehmen und das ganze Ding lesen.)

Nebenprojekt: Reisebuch mit Affinity Publisher

Seit einer Weile arbeite ich nebenbei an einem Projekt: Ein Buch soll Reisetexte von mir versammeln und eines Tages in meinem Bücherregal stehen. Insgesamt sind es neun Texte aus neun Städten, darunter Amsterdam, Istanbul, Lissabon, NYC, Paris und Rom. Der aktuelle Arbeitstitel für das Buch lautet: Die Stadt ist laut und wunderschön – Reisetexte und kulinarische Verbrechen. Alternativ habe ich einen kürzeren Titel im Auge, der sich auch noch reimt: Der Geschmack der Stadt. Oder ich nehme etwas ganz Anderes, ich entscheide mich täglich um.

Für die c't schrieb ich eine kleine Anleitung für Affinity Publisher. Was aus den hässlichen Dielen geworden ist? Steht hier!

Ich habe mich entschieden, Print-on-Demand auszuprobieren und das Buch bei BoD drucken zu lassen. Ich besitze bereits ein paar BoD-Bücher1, deren Qualität mich überzeugt hat – zumal die Druckkosten relativ gering sind. Das Buch ist vor allem für mich gedacht; eventuell biete ich es aber auch zum Verkauf an. Das ist mit BoD samt ISBN ebenfalls möglich und macht (hoffentlich) nicht viel Aufwand. Aber mal schauen, zunächst will ich ein erstes Testexemplar bestellen. Ich bin zum Beispiel gespannt, wie die Fußnoten wirken: Ich habe die Befürchtung, dass sie zu klein geraten sind.

Affinity Publisher

Für die Gestaltung meines Buches verwende ich Affinity Publisher von Serif. Die Software ist eine günstige Alternative zu Adobe InDesign und kostet einmalig 55 Euro. Auf meinem Mac läuft Publisher ohne große Probleme, es ist in der ganzen Zeit erst einmal abgestürzt, wobei aber keine Daten verloren gingen. Ich hatte eine Weile auch mit QuarkXPress herumprobiert, das fühlte sich irgendwie instabiler an. Mit Publisher macht mir das Arbeiten einfach Spaß, und das ist die Hauptsache.

Übrigens habe ich für die c’t aufgeschrieben, wie ich mein Buchdesign und die Typografie umgesetzt habe. Der Praxis-Artikel ist in Ausgabe 16/2020 zu finden; außerdem natürlich online. Wenn das Buch bald gedruckt vor mir liegt, werde ich berichten. Es fehlt allerdings noch eine Kleinigkeit: das Cover2.

  1. Das Buchcover werde ich mit Photoshop bauen – und nicht mit Affinity Photo. Mit der Software komme ich nicht so gut klar. Das dürfte aber daran liegen, dass ich schon seit einer Ewigkeit mit Photoshop arbeite. Wie ich mir als armer Schüler und Student eine so teure Software leisten konnte? Nun, ich habe [unleserlich], ganz einfach!