Ein Fotobuch mit Affinity Publisher gestalten

Es ist schon wieder eine ganze Weile her, dass ich gemeinsam mit meiner Frau durch Athen streunte. Zwei Wochen lang lernten wir die Stadt kennen und tranken in dieser Zeit viel Kaffee, zum Beispiel im Underdog (bester Flat White der Welt). Außerdem schoss ich viele Fotos – zu viele Fotos, wie in jedem verdammten Urlaub. Jedenfalls nahm ich mir vor, ein Fotobuch zu gestalten und darin auch meinen Reisetext über Athen unterzubringen. Daraus wurde bisher aber nichts, weil ich viele andere Dinge tat und irgendwann das Athen-Fotobuch vergaß.

Affinity Publisher ist günstiger als Adobe InDesign, kann aber ähnlich viel.

Nun habe ich aber für heise+ einen Ratgeber geschrieben, der erklärt, wie man schicke Fotobücher mit Affinity Publisher baut:

Wer ein Fotobuch mit Affinity Publisher layoutet, genießt maximale Gestaltungsfreiheit

Der Text ist jetzt online, leider dürfen ihn nur zahlende Abonnenten lesen. Durch den Artikel habe ich wieder große Lust bekommen, das Projekt doch noch abzuschließen. Drucken lasse ich das Werk dann bei Blurb, weil mir deren Mohawk-Papier so gut gefällt.

Ein paar Layout-Tests mit Athen-Fotos (in Affinity Publisher).

Wer sich für Affinity Publisher interessiert, findet hier zudem einen anderen Artikel von mir, in dem es um die Buchgestaltung geht. Denn das hatte ich auch mal vor: Ein Buch zu setzen und es bei BoD drucken zu lassen. (Nur für mich.) Fragen Sie mich jetzt aber nicht, ob ich das auch getan habe. Immerhin habe ich es geschafft, eine schmale Broschüre zu gestalten – wieder mit Publisher – und drucken zu lassen. Das Ergebnis gefällt mir gut, wie ich in diesem Beitrag zugab.

  • Update, 2. Dezember 2025: Affinity Publisher ist inzwischen kostenlos und heißt nur noch Affinity. Die neue App vereint Publisher, Affinity Photo und Affinity Designer. Diesen Umstand habe ich zum Anlass genommen, um für heise online einen neuen Artikel (€) zu schreiben. Darin beschreibe ich, wie man ein schickes Fotobuch mit Affinity gestaltet.

2021: Jahresrückblick anhand meiner Amazon-Bestellungen

Im Jahr 2021 habe ich insgesamt 18 Bestellungen bei Amazon getätigt. Genug für einen Jahresrückblick, der auf meinem Kaufverhalten basiert. Das Jahr beginnt mit Pflanzendünger, den ich am 22. Januar bei Amazon bestellte. Zuvor erfuhr ich, dass man Grünpflanzen nicht nur düngen könnte, sondern auch sollte. Meine Monstera1 hatte damit begonnen, einige Blätter abzuwerfen, sie wurden erst gelb und dann braun. Jahrelang wuchs die Pflanze vor sich hin und bekam regelmäßig neue Blätter, eins nach dem anderen, immer saftig-grün. Zwischendurch habe ich sie umgetopft und sie wurde noch größer. Dann kamen plötzlich die gelben Blätter und ich war etwas verwirrt: Was will sie, was braucht sie? Vielleicht Pflanzendünger! (Ein paarmal habe ich die Pflanzen gedüngt, ehe der Dünger in der Kammer verschwand. Dort stand er bis vorhin, als mir beim Betrachten meiner Amazon-Historie wieder einfiel, dass man Pflanzen regelmäßig düngen sollte.)

  1. Monsteras (siehe Wikipedia) sind seit einigen Jahren Trendpflanzen, die jeder Hipster bei sich in der Altbaumwohnung stehen haben sollte. Bei mir ist es so, dass ich eher kein Hipster bin, aber zwei Dinge seit Ewigkeiten gerne betrachte: Monstera-Blätter und ältere Cavalier-King-Charles-Spaniel. Die (seltsame) Vorliebe für diese Pflanze und diese Hunde muss tief in meiner Kindheit verwurzelt sein, vielleicht ergibt sich irgendwann mal ein Gespräch mit einem Psychologen, der mir weiterhelfen kann.

Am 10. März habe ich mir eine neue Kamera bestellt: die X-T3 von Fujifilm. Es macht zwar viel Spaß, mit ihr zu fotografieren, aber sie fällt irgendwie mehr auf als andere Kameras – ständig schauen mich Menschen an, wenn ich irgendwas fotografiere! Die Leute schauen, als würde ich auf offener Straße einen Hund belästigen, dabei mache ich doch nur meine harmlosen Fotos. Da war zum Beispiel ein Kioskbesitzer, der aus seinem Kiosk stürmte und mich wüst beschimpfte. Wahrscheinlich dachte er, dass ich seinen dämlichen Kiosk fotografiert hatte – und es stimmt, ich fotografiere nur Kioske und tapeziere mit den Bildern meine heimlich gemietete Zweiwohnung. Dort habe ich im Wohnzimmer einen ganzen Kiosk eingerichtet, weil ich vernarrt bin in Kioske. (Usw., usf.) Nein, mir sind Kioske völlig egal. Der Mann regte sich jedenfalls tierisch auf und ich ging schnell weg, bevor er Fantadosen nach mir werfen würden. Jedenfalls würde ich die X-T3 vielleicht nicht noch mal kaufen, sondern eine kleinere Kamera, die nicht weiter auffällt, womöglich die X100V. Aber warum gähnen Sie denn?!

For The First Time

Am 12. März bestellte ich das Album «For The First Time» von Black Country, New Road auf CD. Ich mag das Album sehr. Leider hat mein CD-Player die Angewohnheit, Songs nicht immer vollständig abzuspielen. Der Laser scheint hängen zu bleiben, was weiß ich, das Gerät hat seinen Job noch nie ordentlich erledigt. Ich habe es sogar einmal umgetauscht, vor allem, weil der CD-Halter (aus Plastik) schräg war, leicht schräg, aber schon sichtbar schräg. Der Saturn-Mitarbeiter fand das zwar übertrieben, aber er hat mir trotzdem einen neuen Karton samt CD-Player gegeben, der nicht immer alles abspielt, was auf den CDs enthalten ist. (Als zwischendurch auch unser Sonos-System Songs übersprang, war das kein leichtes Leben mehr.)

Am 16. Mai 2021 bestellte ich das Buch «The Anthropocene Reviewed»2 von John Green, dessen Podcast wie das Buch heißt und den ich gerne höre. Als ich selbstständig war und meine Mittagspausen gerne auch mal zwei Stunden dauerte, habe ich zahlreiche Podcasts entdeckt und gehört: Zeit Verbrechen, klar, Gemischtes Hack, klar, und auch S-Town, 99 Percent Invisible, Twenty Thousand Hertz, Freakonomics Radio, Wind of Change und viele mehr. Das bestellte Buch ließ dann lange auf sich warten.

  1. Bücher kaufe ich meistens im Buchladen um die Ecke (oder bei «Kafka» in Detmold). Bei Amazon bestelle ich hin und wieder englische Bücher, weil die preislich unschlagbar sind, und manchmal bin ich halt ein Sparfuchs, der gerne 5 Euro spart. Selten kaufe ich E-Books für meinen Kindle, zum Beispiel Dan-Brown-Romane für den Urlaub, die will ich nicht auf Papier haben.

Niemand hat ihn getötet

Am 26. Mai bestellte ich den Krimi «Ich habe ihn getötet» von Keigo Higashino. Ich lese gerne Bücher von japanischen Autorinnen und Autoren, seit ich verspätet Haruki Murakami für mich entdeckte. (Das schrieb ich auch schon in meinem Jahresrückblick 2020.) Von Keigo H. habe ich alles gelesen und mindestens gemocht, aber das Buch hier habe ich eigentlich gehasst, denn der Autor verrät am Ende nicht den Mörder, die Mörderin! Das sollen die Leser selbst machen. Ich müsste das Buch also abermals lesen und die Hinweise erkennen und schließlich kombinieren, wer den Dings ermordet hat. Dafür habe keine Zeit, darauf habe ich keine Lust. (Ich lese nur selten Bücher ein weiteres Mal. Am meisten – nämlich viermal – habe ich «Plattform» von Michel Houellebecq gelesen.)

Am Strand

Am 29. Juni bestellte ich eine Strandmuschel. Wir fuhren dann nämlich nach Rügen und saßen dort an diversen Stränden. Die Muschel gab uns Schutz und Geborgenheit. Sie ist nicht unbedingt schön, aber auch nicht so abstrus hässlich wie die anderen Strandmuscheln, die dort an den Stränden zu betrachten waren. Praktisch ist das aufblasbare Kissen, das ich ebenfalls bestellte: Mit wenigen Atemzügen war es prall genug, um meinen schweren Kopf zu halten. Da lag ich also und starrte entweder in den blauen Himmel oder in die blaue Strandmuschel. Zwischendurch richtete ich mich auf und betrachtete nackte Menschen, die dort überall herumlümmelten. Urlaub in Deutschland ist schön und gut, dachte ich, aber es ist weiterhin nicht das Wahre. Geradezu erleichtert war ich, als wir im Spätsommer doch noch in ein Flugzeug stiegen und eine wunderbare Zeit in Barcelona3 verbrachten. Ohne Strandmuschel.

  1. In Barcelona habe ich den besten Jazz-Plattenladen der Welt entdeckt: «Jazz Messengers» in Eixample. Dort kaufte ich mir die Jubiläumsausgabe von «Giant Steps» (John Coltrane). Die Verkäuferin war äußerst sympathisch und freundlich und bewandert. Dass ich eigentlich erst wenig Ahnung von Jazz habe, konnte ich gut verbergen, indem ich den Laden mehrfach und überschwänglich lobte. Er hat es aber auch verdient! Allein seinetwegen muss ich schnell zurück nach BCN.

Am 6. Dezember machte ich mir quasi selbst ein Nikolausgeschenk und bestellte das neue Mastodon-Album, es heißt «Hushed and Grim». Diesmal nicht als CD, sondern als Vinyl. Mein Plattenspieler ist derzeit nicht am Verstärker angeschlossen, denn seit wir einen neuen Fernseher haben, ist auf dem Lowboard nicht mehr genügend Platz für den Plattenspieler. Jahrelang schauten wir Filme und das «Dschungelcamp» auf einem 32-Zoll-Fernseher (sic!), das glaubte uns niemand und viele Besucher standen in unserem Wohnzimmer und lachten uns geradezu aus. «Damit schaut ihr Filme?!», riefen sie und riefen sogleich Freunde und Verwandte an, um ihnen von dieser Ungeheuerlichkeit zu erzählen. «Hör mal zu, da sind zwei, die schauen Titanic auf einem 32-Zoll-Fernseher!» No more! Diese Zeiten sind vorbei, denn im Sommer fuhren wir in den hiesigen Saturn und ließen uns beraten4. Alsbald stand er da, ein TV der Marke SONY. 55 Zoll, OLED, wunderbar. Nur dass der Plattenspieler jetzt nicht mehr neben den Bildschirm passt.

  1. Es ist (natürlich) so, dass ich mich leicht obsessiv in das Thema TV-Kauf einlas und einarbeitete und gerade davor vor war, völlig durchzudrehen, als wir spontan bei Saturn die aktuellen Fernsehgeräte betrachteten. Ein Fachverkäufer löste sich aus den Kulissen und gestand unaufgefordert seine Liebe zu SONY-Geräten. Er selbst habe sogar seine Ehe aufgegeben, um nun allein mit einem 55-Zoll-TV der genannten Marke glücklich zu werden. Es sei die richtige Entscheidung gewesen, betonte er mehrfach. Wir beglückwünschten den Mann und taten so, als müssten wir uns das mit dem TV noch mal genau überlegen und verließen den Saturn fluchtartig. Am Folgetag erstanden wir den Fernseher bei Media Markt.

Am 21. Dezember lag «The Anthropocene Reviewed» plötzlich doch noch im Briefkasten. Am 16. Mai bestellt, im Dezember angekommen. Immerhin hat sich das Warten gelohnt, das Buch ist sehr gut: Ich vergebe 4,5 Sterne. Am 23. Dezember habe ich bei Amazon spontan ein Last-Minute-Geschenk bestellt, das tatsächlich am Vormittag des folgenden Tages im Briefkasten lag. Das war dann die kürzeste Wartezeit in diesem Jahr.

Textgenuss und Schnaps: Meine erste Lesung

In Hannover gibt es die Lesebühne, die «Schnaps und Textgenuss» verspricht. Autorinnen und Autoren dürfen dort ihre Geschichten vorlesen – Kurzgeschichten, Auszüge aus Romanen, Gedichte oder eine ganz andere Gattung. Spontan reichte ich am Tag der Deadline einige meiner Storys ein, die ich für den Young Storyteller Award geschrieben hatte. Und tatsächlich durfte ich am 10. Oktober auf der Bühne sitzen und meine Werke in fremde Ohren säuseln. Es war das erste Mal, dass ich der Öffentlichkeit etwas vorgelesen habe!

Es war dann auch etwas seltsam, als ich zu Hause das Vorlesen geübt habe. Ich saß auf dem Sofa und erzählte den Wänden und Möbeln (und Nachbarn) ein paar Geschichten. Nach zwei, drei Storys habe ich mich fast dran gewöhnt und am Abend selbst hat es mir sogar Spaß gemacht.

Gelesen haben außer mir noch Angela Regius, Ronja Lobner und Burkhard Wetekam, der mich auf das Autor:innenzentrum Hannover aufmerksam machte, dem ich dann auch beitrat. Jedenfalls sind die Lesungen allesamt in der Soundcloud zu hören; mein Teil befindet sich hier.

Ich durfte auf der «Lesebühne» sitzen und vorlesen: Kurzgeschichten über einen verliebten Bankräuber; über Nachmittage mit Sim City 2000; über einen Hellseher, der den Tod prophezeit. – Foto von Lamin Njie

Die Lesebühne ist Mitglied im Netzwerk Unabhängige Lesereihen. Besonderen Wert legt der Verein auf eine große Vielfalt von Locations: Vorgelesen wird in Kneipen, Cafés, im Theater. An jenem Abend, als ich auf der Bühne saß und las, waren wir im Fiasko in Linden-Nord zu Gast. Und es gab tatsächlich Schnaps.

2020: Ein persönlicher Jahresrückblick

Im Januar war alles noch normal. Wir saßen weit hinten im Aegi-Theater, vorne scherzte Felix Lobrecht1 und wir lachten Tränen. Hype-Tour, ausverkauft, viele junge Leute wuselten umher; ich fühlte mich ein wenig alt. Zwei Wochen später steht das Publikum, weil es keine Bestuhlung gibt. Seltsam. Patrick Salmen darf sitzen, vorn auf der Bühne, während er vorliest und erzählt. Wie eine Party, nur dass niemand tanzt. Aber wir trinken und ich stoße versehentlich meinen Becher um. Deshalb stehe ich den Rest des Abends in einer Pfütze und hoffe, dass mir niemand Inkontinenz unterstellt. Bis dahin also ein normales Jahr.

  1. Hype und Kenn ick gibt es inzwischen bei Netflix. Ich empfehle außerdem Tropical von Hazel Brugger. (Darf man eigentlich Louis C.K. wieder lustig finden? Too soon?)

Hiergeblieben!

Dann die ersten News aus China. Sie zimmern in kurzer Zeit ein Krankenhaus zusammen, das steht dann da. Verrückt, kaum zu glauben. Eine mysteriöse Lungenkrankheit greift um sich. Pandemie, COVID-19, Thema des Jahres. Plötzlich ist es normal, mit Maske durch den Aldi zu stolpern. Zugfahren mit Maske ist normal, ebenso Flanieren mit Maske und Urlaub mit Maske. Wir wären dieses Jahr gern nach Italien gereist, doch das ging nicht. Stattdessen Dangast im Norden. Wir wären gern nach Peru gereist, doch das ging nicht. Stattdessen Tegernsee im Süden. Auch schön, aber eben anders. Es ist komisch, wenn man alles versteht und mit jedem normal reden kann. Kein wortsuchendes Stottern, kein «Donde está la, ääh, biblioteca?» Es ist auch komisch, dass Deutsche immer etwas, nun ja, anstrengend sind. Selbst im Urlaub. Sind wir – meine Frau und ich – eigentlich auch so?2

  1. Seit ich eine praktische Regenjacke von Jack Wolfskin besitze, frage ich mich täglich: Bin ich jetzt auch ein öder Spießer? Eine Kartoffel? Ich rede mir dann ein: nee. Denn ich habe keine Brille, die von selbst zur Sonnenbrille wird, und ich habe auch keine lange Hose, die via Reißverschluss zu einer kurzen wird. Aber Moment mal, ist das da etwa ein Deuter-Rucksack auf meinem Rücken?!

Richtig arbeiten

Während Deutschland das Home-Office entdeckte, änderte sich für mich in dieser Hinsicht nichts. Als selbstständiger Schreiber schrieb ich weiterhin von zu Hause. Ich habe die Zeit vor allem genutzt, um an meinen literarischen Texten zu arbeiten. Geld zahlt mir noch niemand dafür, aber es ist unheimlich beglückend, Texte reifen zu sehen. Aus einer flüchtigen Idee wird ein brauchbarer Entwurf, wird eine runde Geschichte mit gutem Ende. Nur: Wer veröffentlicht eigentlich Kurzgeschichten? Und wer liest die? («Niemand, du Lappen!», mault der pessimistische Hausgeist, der über meinem Kopf schwebt. «Geh lieber richtig arbeiten!»)

Die Sonne geht unter – und das Jahr endet. 2020, du warst echt seltsam.

Mein Hauptprojekt ist eine Langgeschichte, ein Roman, der in den vergangenen Monaten ordentlich zugelegt hat. Manchmal glaube ich, dass er gut genug für den harten Buchmarkt ist – regelmäßig überkommen mich jedoch auch Zweifel. Das muss wohl so sein. Für 2021 habe ich mir jedenfalls vorgenommen, mich endlich an Literaturagenturen zu wenden und meinen Roman zu pitchen. Aufregendes Gefühl, fast schon Euphorie. Doch da ist auch eine latente Furcht, dass niemand meine Sätze lesen will.

Ich habe 2019 meine Festanstellung gekündigt, weil ich mehr schreiben wollte, keine Fachartikel, keine Meldungen, sondern Belletristik. Das habe ich 2020 getan und das war wunderbar. Andererseits vermisse ich (natürlich) gewisse Dinge: Kollegen, Teamwork, Rückhalt und auch ein festes Einkommen. Hätte ich in diesem seltsamen Jahr vor der Entscheidung gestanden, meinen Job zu kündigen – ich hätte es wohl nicht getan. Oder doch. Wer weiß?

Lesen und Hören

Wer schreibt, muss viel lesen. In diesem Jahr waren das vor allem Bücher von japanischen Autorinnen und Autoren: Verdächtige Geliebte, Heilige Mörderin und Unter der Mitternachtssonne von Keigo Higashino. Außerdem Die Ladenhüterin von Sayaka Murata, 50 von Hideo Yokoyama sowie Kafka am Strand von Haruki Murakami, den ich erst 2017 für mich entdeckt habe. (Momentan lese ich die Neuübersetzung vom Aufziehvogel.) Beeindruckt hat mich Im Keller von Jan Philipp Reemtsma. Der Publizist und Mäzen verarbeitet darin seine Entführung im Jahr 1996.

Gehört habe ich viele Podcasts: Zeit Verbrechen (Folge 17 befasst sich mit der Reemtsma-Entführung), Wind of Change, S-Town (großartig!), Rabbit Hole und weitere. Außerdem hörte ich viel Jazz, die alten Klassiker, vor allem John Coltrane. Bester Mann, leider viel zu früh gestorben. Neulich las ich die tolle Biographie von Peter Kemper, die kann ich auch wärmstens empfehlen. Bin dann zurück in den Buchladen (sic) gegangen, um Giant Steps auf CD (sic) zu erwerben, aber die war mir dann zu teuer. End of story.

Wer kauft denn 2020 noch CDs? Ich. Meistens höre ich zwar Musik über eine einsame Sonos-Box im Wohnzimmer, manchmal aber eben auch über die kraftvolle Stereo-Anlage ebendort3. Der Sound ist um Welten besser! (Duh.) Die Anlage hat jedoch keine Verbindung zum WWW, also muss ich wie ein Hurensohn CDs einlegen. Also: Sie erst einmal suchen, dann den Player überreden, dass er sie bitte, bitte auch annimmt. Nölig lehnt er CDs gern ab, weigert sich, sie zu spielen. Als wäre der CD-Player ein totaler Schlager-Fan und würde nur Helene F. spielen wollen. Auch die Sonos-Lautsprecher sind gern mal zickig und verweigern sich ihrer Bestimmung. Wie auch der drahtlose Drucker, der seit unserem Umzug vergangenes Jahr nicht mehr auf Anhieb druckt. Und wenn der gnädige Kasten doch mal druckt, druckt er erst mal nur wirre Zeichen auf tausend Seiten, als wäre er vom Teufel besessen.

  1. Die anderen Boxen stehen im Esszimmer und in der Küche. Insgesamt beschallen drei Sonos One unsere Mietwohnung, deren Wände aus verklebten Pappen bestehen. Deswegen ist Action-Kino auch nicht dri, denn der Bass bollert bis in die fünfte Etage. (Liebe Grüße an Martina!)

Stadtleben

Apropos Umzug: Seit genau einem Jahr leben wir in einem anderen Stadtteil (für Kenner: in der List in Hannover). Zuvor wohnten wir in der Südstadt (für Kenner: nicht weit vom Maschsee entfernt). Den Umzug hat ein Umzugsunternehmen4 erledigt, das war schon erstaunlich. Die drei Männer haben in vier Stunden alles in den Lkw geschoben und ein paar Kilometer entfernt wieder ausgeräumt. Ratzfatz ging das, genial. Nie wieder werde ich auch nur einen Umzugskarton (voller Kissen) selbst schleppen!

  1. Etwaige Nachteile: Die Gardinenstange haben die Männer hektisch und einigermaßen schlampig an die Wand gedübelt – sie kam uns einige Monate später krachend entgegen. Außerdem haben die Männer den Turm aus Umzugskartons zu hoch gestapelt – Gott wurde wütend und zerstörte den Turm. Der Plattenspieler fiel vom Gipfel hinab und brach sich ein Bein. Usw.

Der neue Stadtteil ist lebhafter als der alte: Mehr Leute, die sabbeln, und viel mehr Kinder, die kreischend auf Bäume klettern oder Bälle gegen Metallzäune bolzen. Dann sind da noch die Autos, die Baustellen, die Laubbläser und die komischen Nachbarn, die sich lautstark und stundenlang anbrüllen. Manchmal fantasiere ich mich in eine einsame Hütte im Wald; tief im Wald, abgeschieden vom Rest der Welt. Da hocke ich und – tja, was dann eigentlich? Gibt es da Internet? Und was will das Wildschwein von mir? Ach so, es will Bahn-Tickets ausdrucken. Sorry, aber der Drucker möchte heute nicht. […] Will sagen: Je älter ich werde, desto mehr mag ich Stille. Das ist aber ganz normal, glaube ich. Vielleicht gönne ich mir 2021 ja Kopfhörer mit ANC. Und einen neuen Drucker.

Laufen und latschen

Ein neuer Stadtteil bedeutet auch: neue Jogging-Strecken! Vorher hatte ich den Maschsee in der Nähe (6 Kilometer Umfang – perfekte Jogging-Runde), jetzt laufe ich meistens einen langen Kanal entlang. Der ist ziemlich langweilig. Ich überquere dann irgendeine Brücke und laufe auf der anderen Kanalseite wieder zurück. Na ja. Sportlich habe ich mir außerdem das Ziel gesetzt, jeden Tag 10.000 Schritte zurückzulegen. (Ich überwache das mit der Google-Fit-App, die natürlich nicht mitzählt, wenn ich in der Wohnung vor Wildschweinen weglaufe.) Es ist gar nicht so leicht, täglich auf 10.000 Schritte zu kommen, oft liege ich knapp darunter. Mein Rekord für 2020 liegt bei immerhin 28.544 Schritten an einem Tag – da war ich in Berlin jewesen, wah! Monatlich lande ich bei durchschnittlich 250.000 Schritten. Außerdem finde ich, dass das Laufen […]. Oh, die Zeit ist leider um, also Schluss jetzt, wer soll das denn alles lesen? Das Jahr geht jedenfalls vorbei und ein neues beginnt. Wird spannend!

Ach, da war ja noch etwas: Im Oktober 2020 habe ich geheiratet, trotz Corona. Bester Tag! Foto: Filipp Romanovskij

Ein Booklet bei BoD drucken lassen

Vor genau zehn Jahren war ich in Istanbul, machte dort Fotos und notierte Notizen. Zurück am heimischen Schreibtisch tippte ich einen Text über das, was ich erlebt und gegessen1 hatte. Jahre vergingen und schwups, war plötzlich ein ganzes Jahrzehnt vorüber. Nun kam mir die Idee, den überarbeiteten Text zusammen mit meinen Lieblingsfotos als Booklet drucken zu lassen. Entstanden ist Döner Dürüm, Burger King – ein kleines Heft mit sieben Fotos auf 24 Seiten.

  1. Der Text handelt viel vom Essen; genauer: vom schlechten Essen. Früher war mein kulinarischer Anspruch arg einfach. Heute darf es ruhig lecker und ausgefallen sein. (Zum Beispiel war ich in Istanbul bei Burger King, was wirklich nicht sein muss.)

Der Text als Objekt

Auf die Projektidee kam ich, als mir beim spontanen Umsortieren Marfa, TX von Gaëtan Rossier in die Hände fiel – ein auf zehn Exemplare limitiertes Foto-Booklet mit Bildern aus Texas. Mir gefiel das kompakte Format und die Idee, meinen eigenen Text als Artefakt in der Hand zu halten. Außerdem interessierte mich schon länger die Druckqualität von BoD, dem führenden Anbieter im Selfpublishing-Bereich.

Der hässliche Strichcode auf der Rückseite ist leider Pflicht – selbst wenn das Booklet nur für den Privatgebrauch gedacht ist.

BoD druckt nicht nur Bücher, sondern auch Booklets, also schmale Broschüren mit Klammerheftung und einem maximalen Umfang von 48 Seiten. Für meine 24 Seiten (6 davon in Farbe) bezahlte ich 8,75 Euro. Günstiger wird’s, wenn man mehrere Exemplare in Auftrag gibt. Hinzu kamen 2,94 Euro für Verpackung und Versand. BoD will den Innenteil als PDF-Dokument und das Cover als gesonderte Datei (ebenfalls als PDF). Gestaltet habe ich das Buch mit Affinity Publisher, das ging ratzfatz und hat mir viel Spaß gemacht.

Mein Lieblingsbild bekam den besten Platz im Booklet. Es entstand während einer Fahrt mit der Fähre.

Am 9. November 2020 habe ich das Buchprojekt auf bod.de angelegt, alle nötigen Dateien hochgeladen und freigegeben. Drei Tage später hatte BoD es dann «für den Druck aufbereitet» und am 19. November verschickt. Das Booklet war ordentlich verpackt und kam einwandfrei hier an. Leider wurde die letzte Seite nicht ordentlich beschnitten, sodass Reste von Buchstaben zu erkennen sind. (Oder handelt es sich dabei um eine Geheimbotschaft? Wird in der Druckerei ein Troll gefangen gehalten, der mit dieser Nachricht verzweifelt um Hilfe bittet?) Dann war da noch ein dummer Tippfehler, den ich aber selbst verschuldet habe. Ärgerlich.

Farbabstufungen auf dem Cover

Ich bin ein Risiko eingegangen und habe einen Farbverlauf auf dem Cover verwendet. Ist vielleicht nicht die allerbeste Idee – im Druck sind Farbabstufungen zu erkennen. Ansonsten geht die Qualität in Ordnung, vor allem ist das Papier stabil und recht glatt. Ich habe für das Laminat die Option «matt» gewählt; gefällt mir gut. Die Innenseite des Pappcovers (also Seite 2 und 23) ist immer weiß und nicht bedruckbar.

Mit der Druckqualität bin ich zufrieden, nur hätte ich doch kein weißes Papier nehmen sollen.

Eine Besonderheit bei BoD, die ein Nachteil sein kann: Der Dienst druckt auf Seite 6 immer das FSC-Siegel (oben in die Mitte). Diese Seite ist nämlich fürs Impressum vorgesehen – ein Umstand, der den Gestaltungsraum natürlich etwas einschränkt. Wer zum Beispiel ein Magazin gestalten will, wird sich daran eventuell stören. Zudem muss die Rückseite einen Strichcode enthalten. Das ist sinnvoll, wenn man das eigene Werk verkaufen möchte. Mein Booklet habe ich erst mal nur für mich drucken lassen.

Im Nachhinein hätte ich ein anderes Papier gewählt; es ist mir doch zu weiß. Klar, die Fotos sehen natürlich besser aus, weil cremefarbenes Papier kein neutraler Hintergrund ist. Mir aber egal, denn mir ist die Wirkung des Textes wichtiger. Und ich finde, ein Text sollte auf Chamois gedruckt sein. Davon abgesehen, hat mir das kleine Projekt viel Freude gemacht und ich bin positiv überrascht, dass die Fotos so aussehen, wie ich mir das vorgestellt habe. Die zweite Version des Booklets bekommt jetzt ein anderes Cover und ich mache die viel Fotos größer, seitenfüllend. To be continued.